Erst vor kurzem bin ich in einem Flieger Richtung München gesessen und wie bei jedem Flug wird einem ja bekanntlich vor dem Start eine kurze Einweisung in die Sicherheitsvorkehrungen gegeben. Da wären die Notausgänge und die Sauerstoffmasken die im Falle eines Druckverlusts in der Kabine von oben herunterfallen. Man wird darauf hingewiesen, sich zuerst selbst eine Maske aufzusetzen und erst dann anderen Leuten helfen sollte ihre Maske aufzusetzen. In einem normalen Business Flug an einem Montag morgen schenken ziemlich wenig Leute der Stewardess Aufmerksamkeit bei diesem Standard Prozedere, verständlich man hat es ja schon hunderte Male gehört. Die wenigsten Leute wissen aber warum denn überhaupt Sauerstoffmasken an Board sind und was genau bei einem Druckabfall in einer Flugzeugkabine passiert und wie tödlich dieser wirklich sein kann.

Die Kabine in einem Flugzeug steht unter Druck damit der Crew und den Fluggästen eine Atmosphäre geboten wird die ähnlich derer am Boden ist. Durch den Druck wird der Sauerstoff zusammengepresst um ein normales Atmen an Board zu ermöglichen. Je höher man kommt desto „dünner“ wird die Luft, dies geschieht aus dem einfachen Grund das in unteren Luftschichten mehr Druck auf den Sauerstoff herrscht und dieser dadurch gepresst wird. Stellt man sich nun z.B. auf die Spitze des Mount Everest ist die Luft so dünn, das man bei einem normalen Einatmen bei weitem nicht die gleiche Menge an Sauerstoff bekommt wie es normalerweise der Fall ist.

Um den Druck in der Kabine aufzubauen und zu halten, wird komprimierte Luft aus den Turbinen kontrolliert in das Flugzeuginnere geleitet. Der Druck der aufgebaut wird entspricht einer Seehöhe von rund 2000 – 2500 Metern ist also vergleichbar mit dem Luftdruck dem man auf einem Berg ausgesetzt ist.

Während eines Fluges ändert das Flugzeug oft seine Höhe was auch den Kabinendruck schwanken lässt, geregelt wird dieser Druck durch eine Art Ausfluss Ventil.

Wer schon einmal bei den Sicherheitshinweisen der Stewardess oder wie man heute sagt, der Flugbegleiterin genauer aufgepasst hat, wird vielleicht mitbekommen haben, das manchmal die Rede davon ist, dass bei „einer Änderung des Kabinendrucks “ die Sauerstoffmasken automatisch herunterkommen. Genau genommen ist diese Aussage reiner Blödsinn aber die Fluggesellschaften haben das alte „Druckverlust in der Kabine“ als zu angsterregend empfunden und es deswegen geändert.

Kommen wir aber zum eigentlich Sinn dieses kleinen Artikels was passiert also bei einem plötzlichen unkontrollierten Druckverlust in der Kabine? Der Druckverlust in der Kabine wird in drei Sparten eingeteilt, Schrittweise, Schnell und Explosiv. Die ersten beiden Arten des Druckverlusts bergen eigentlich keine große Gefahr und können von der geschulten Crew gut unter Kontrolle gebracht werden.

Das Standard Prozedere bei einem unkontrollierten Druckverlust sieht so aus, das die Piloten Sauerstoffmasken aufsetzen und das Flugzeug auf eine Höhe von rund 3000 Meter bringen. In dieser Höhe ist es jedem möglich ohne Probleme zu Atmen. Sogar bei einem kompletten Druckverlust in der Kabine gibt es genug Sauerstoff für um die Passagiere sowie die Crew für einige Minuten zu versorgen. Trotzdem wird das Flugzeug so schnell wie möglich auf die bereits angesprochenen 3000 Meter gebracht. Dies wird von Passagieren die so eine Prozedur miterlebt haben oft wie ein Gefühl des „Fallens“ beschrieben. Was auch richtig ist, da der Sinkflug im Notfall bei einer sehr hohen Geschwindigkeit vonstatten geht.

Die Sauerstoffmasken selbst fallen aus ihren Halterrungen sobald der Kabinendruck auf 3000 Meter Seehöhe fällt, hier sei nochmals angemerkt, dass bei diesem Druck genau genommen noch keine Gefahr besteht. Weiters sollte der Sinkflug hier bereits im Gange sein und man kann davon ausgehen, dass das Flugzeug bereits in kürze auf einer sicheren Höhe ist. Natürlich wissen dies die meisten Leute nicht, was dazu führt das viele Passagiere in Panik ausbrechen und glauben Ihr letztes Stündlein hat geschlagen. Zu diesem Zeitpunkt hört man also die ersten Schreie, Kreischen und Weinen aber als Leser von TechnikJunkie ist man ja bekanntlich etwas gescheiter als der Durchschnittsmensch, bleibt ruhig, setzt sich seine Maske auf hilft ggf. noch seinem Sitznachbar, lehnt sich zurück und genießt die Show.

Um diese Panik zu verhindern, ist ein weiteres Standardprozedere das Flugzeug, sollte dies möglich sein, in der gleichen Geschwindigkeit an Höhe verlieren zu lassen in welcher der Kabinendruck entweicht. Auf diese Weise wird der Druckverlust ausgeglichen und es wird verhindert das die Sauerstoffmasken ausgeworfen werden. Dies ist logischerweise die Humanere Methode und wird sofern die Möglichkeit dazu besteht auch angewandt.

Obwohl sich dieses Szenario jetzt erschreckend anhört, besteht im Grunde genommen zu keiner Zeit ein wirkliches Risiko für die Passagiere. Aber was wenn man Beispielsweise über die Himalayas fliegt? Hier gibt es spezielle Routen die Piloten einschlagen können diese sogenannten „escape routes“ ermöglichen es der Crew das Flugzeug schnell auf eine sichere Höhe zu bringen bevor die Sauerstoff reserven ausgehen.

Das oben genannte Beispiel kann auf den Schrittweisen und schnellen Druckverlust zutreffen. Der Explosive Druckverlust ist aber ein ganz anderes Thema. Dieser tritt auf wenn z.B. eine Bombe an Board explodiert. Das Interessante hierbei ist, dass die Explosion selbst kein Flugzeug abstürzen lässt. Die durch die Explosion entstehende Druckwelle ist nämlich das Problem, diese kann erheblichen Schaden in der Kabine anrichten und soweit gehen, dass das Flugzeug zerstört wird. Durch die aus der Druckwelle resultierenden Schäden am Flugzeug können dann einen Explosiven Druckverlust hervorrufen, sollte das Flugzeug zu diesem Zeitpunkt nicht bereits komplett zerstört sein.

Schlussendlich bleibt zu sagen, dass die Sauerstoffmasken sollten sie wirklich einmal herunterkommen nur dazu gedacht sind, die Passagiere zu unterstützen und „Sicherheit“ zu vermitteln. Genau genommen würde es auch ohne sie gehen, da der Notfall Sinkflug nicht länger als ein paar Minuten dauert Vorsicht ist aber bekannterweiße die Mutter der Porzellankiste. Es werden auch niemandem die Augen aus dem Schädel springen wenn er an Board eines Fliegers mit Druckabfall sitzt.

Quellen: http://www.salon.com/technology/ask_the_pilot/2010/11/08/when_planes_depressurize/

One Response to Der Sinn hinter Sauerstoffmasken in Flugzeugen


  1. pilot
    Sep 13, 2011

    man sollte die sauerstoffmasken nicht so lapidar betrachten, wie du es in deinem artikel beschreibst.
    bei einem -wie du es nennst- explosiven druckverlust sollte man schnellst möglich die masken aufsetzen.
    “time of useful consciouness” ist hier das passende stichwort. es ist die zeit, die ein passagier/pilot/crewmember hat um bei entsprechender höhe die sauerstoffmasken aufzusetzen.

    je höher man ist, desto weniger zeit hat man bevor hypoxie auftritt. bei den heutigen reiseflughöhen sind das in etwa 30sec-1min30sec.
    kleinere flugzeuge, wie zb businessjets, fliegen höher und haben noch weniger zeit..

    also unterschätzt die masken nicht! denn wenn sie so unnötig seinen, wie hier beschrieben, dann würden die hersteller darauf verzichten! denn jedes kilo zu viel an bord frisst entsprechend kerosin ergo:kosten. und airlines tun alles um kosten zu sparen…

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